Ausstellung “Teresa de Ávila.” Mística y transgresora, Valladolid, Spanien

Fasziniert von Teresa de Ávilas Handschrift, machte ich mich auf die Suche nach Autographen. Teresa verbrachte wahrscheinlich die meiste Zeit ihres Lebens, wenn sie nicht auf beschwerlichen Reisen war, mit dem Schreiben, was für sie , die großes literarisches Talent besaß, auch das wichtigste Kommunikationsmittel im theologischen Bereich war und um Netzwerke zu knüpfen als Begründerin von 19 Klöstern, also den wirtschaftlichen und organisatorischen Bereich betreffend. Sie schrieb eine Unmenge von Briefen, schätzungsweise zwischen 10.000 und 20.000, etwa 500 sind erhalten , an ihre Brüder in Übersee, an ihre Freunde und Vertrauten, an Universitätsprofessoren, Förderer, Sponsoren, auch an König Philipp II., und einige Briefe gingen auch nach Rom, manche wichtige Briefe verfasste sie oft dreifach. Verglichen mit heute – den weltweiten digitalen Kommunikationsmitteln – war es ungleich mühsamer, Briefe zu schreiben. Das begann schon mit Tinte mischen und Federn spitzen.

Dank des Provinzials Pater Roberto M. Pirastu vom Karmeliterkloster in Wien-Döbling konnte ich mir die Faksimile-Ausgabe des ‚Camino de perfección‘, erste Version, Codex Escorial (Burgos 2010) ausleihen, fotografieren, kopieren und graphisch verarbeiten. Mit Hilfe der Transkription und deutschen Übersetzung ( Dobhan, Peeters/ Verlag Herder) setzte ich mich inhaltlich mit dem interessanten,pädagogischen Werk auseinander, das Teresa in den 1560er Jahren für ihre Mitschwestern des ersten, von ihr gegründeten Reformklosters San José geschrieben hat. Teresa betont im Prolog, dass das Buch mit Erlaubnis ihres Beichtvaters Fray Domingo Báñez entstanden ist. Es wäre sonst unmöglich gewesen, als Frau im 16. Jahrhundert ohne offiziellen Auftrag und Approbation etwas zu veröffentlichen. Dieses Buch ist ein Initialwerk , in dem sie vieles anspricht, was sie später in ihrem Meisterwerk ‚Wohnungen der inneren Burg‘ weiterentwickelt. Sie widmet sich hier in erster Linie ihrem Hauptthema, dem Inneren Beten/‚oración mental‘, was damals von Reformklöstern gefördert wurde, aber als suspekt galt, besonders bei Frauen. Ihr großes Verdienst war die Pflege des Inneren Gebets, was sie als persönliche Aussprache mit Jesus als Freund und Mensch, im Alltag verankert verstand, die Umsetzung des Grundsatzes der Armut und Gleichheit anstelle der sozialen Hierarchie in ihren Klöstern, weiters ihre wertvollen Anregungen zur Persönlichkeitsentwicklung.

Im ‚Weg der Vollkommenheit‘ spart sie nicht mit Kritik an der männlichen Dominanz in der Kirche, geprägt von Theologen, die Frauen nichts Gutes zutrauen, im Gegensatz zu Jesus Christus, der Frauen schätzte. In theologischen Belangen war Teresa bestens informiert, durch Briefwechsel und Diskurse mit bedeutenden Theologen wie Jerónimo Gracián (1. Provincial der spanischen Reformklöster) und Juan de la Cruz, die ihre wichtigsten Vertrauten, Freunde und Förderer waren.
Schreiben, Lesen und Bildung sind heute weltweit noch vielen Frauen verwehrt.

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